Die Nahrung der Renken

 

Der Fang von Renken wurde vor noch nicht allzu langer Zeit für unmöglich gehalten, da man der Meinung war, dieser Fisch sei ein reiner Planktonfresser. Durch Magenuntersuchungen an Netzfängen stellte sich aber heraus, dass Renken sehr wohl auch gröbere Nahrung zu sich nehmen. Speziell in den kalten Jahreszeiten stellen sich Coregonen auf die, je nach Gewässer, in Massen vorkommenden Mückenlarven als Nahrungsquelle ein. Große Bodenrenken können sogar ein, für diese Fischart, untypisches Raubverhalten ausbilden, was an einigen Seen, bei Überbestand, schon zu Problemen geführt hat (Bruträuber). Dieses Verhalten wurde durch Fänge beim Schleppfischen ( Irrsee) mit kleinen silbernen Blinkern bestätigt. Es wurden schon Maränen gefangen, die den Magen voll mit Fischbrut hatten. Auch auf Würmer wurden schon Renken gefangen. In Skandinavien werden Renken auch sehr erfolgreich mit der Fliege befischt. Wie man sieht, ist das Nahrungsspektrum unserer Coregonen größer und vielfältiger als wir uns das bisher vorstellten und besonders hochkapitale Renken werden oft, mit für diese Fischart, unüblichen Ködern,  gefangen. In unseren Breiten nehmen die Renken jedoch, abgesehen von Zooplankton, in der Regel nur Mückenlarven und Puppen als Nahrung auf, wobei sie sich in der wärmeren Jahreszeit auf Plankton (Plankton erkennt man als grünliche Masse im Magensack) umstellen.

 
Bei ihrer Jagd auf schlüpfende Insekten kann es vorkommen, das  Renken bis an die Wasseroberfläche kommen, das Insekt einsaugen und mit einem weithin sichtbaren Spritzer wieder abtauchen. Am Irrsee und Attersee kann man dieses Verhalten speziell in den Frühjahrsmonaten und im Spätherbst beobachten. Generell muss man aber sagen, dass durch die Artenvielfalt der Coregonen das Verhalten bei der Nahrungssuche an jedem See ein wenig anders ist.
 
Mit den richtigen Imitationen zum Erfolg
 
Die Zuckmücken (Chironomidae) und ihre Bedeutung für den Renkenangler
Die für uns Angler zweifellos wichtigste Nahrung der Renken sind Zuckmücken. Jeder Renkenangler der sich seinen Blick für die Natur und ihrer natürlichen Vorgänge bewahrt hat, kennt dieses Bild. Unzählige Mücken tanzen über den See, treiben nach ihrer Hochzeit erschöpft über das Wasser und werden von Lauben oder anderen Oberflächenfischen eingeschlürft. Auch in unseren Booten und an unserer Bekleidung lassen sich diese Insekten nieder und stellen sich kurz unserer Betrachtung um gleich wieder weiterzuschwärmen. Diese Zweiflügler sind mit ca. 3000 Formen, die wohl artenreichsten Insekten unserer Breiten. Ihre Larven und Puppen bilden zu gewissen Jahreszeiten die Hauptnahrung der Renken und werden durch unsere Nymphen imitiert.  Die Zuckmücken - Arten zu bestimmen ist für einen Laien nahezu unmöglich und für uns Angler auch nicht nötig. Der Stellenwert dieser Insekten als Fischnährtiere ist extrem hoch. Durch ihre Artenvielfalt und Fülle sind sie aus dem Nahrungsspektrum unserer Fische nicht wegzudenken und speziell Renken brauchen diese Insekten um sich auch in der planktonarmen Zeit ihr Überleben zu sichern.
 
Der Lebenszyklus setzt sich aus der Zuckmückenlarve, Zuckmückenpuppe und der Zuckmücke - Imagines wie folgt zusammen.
Die Zuckmückenlarve:
Typisch für die Zuckmückenlarve ist die kleine Kopfkapsel. Dem Körper schließen sich drei Brustsegmente und neun Hinterleibsegmente an. Der Larvenkörper wirkt deutlich gegliedert und muskulös. Zuckmückenlarven haben Ihren Lebensraum im Bodensubtrat (Schlamm) unserer Seen. Die Larve kann bis zu 2 cm groß werden und bewegt sich mit S - förmigen rhythmischen Bewegungen. Die Färbung reicht über weiß, gelblich, grün, graubraun bis blutrot. Große Grundrenken bevorzugen diese Larven als Nahrung und haben zu gewissen Jahreszeiten (z.B. Mai) ganze Bündel davon im Magen. Gründelnd ziehen die großen Renken über den schlammigen Seegrund und picken die Larven gezielt aus dem Boden. Wenn es die Wassertemperatur zulässt, kommen die Großrenken bei dieser Art der Nahrungsaufnahme bis in seichte Uferpartien. Die Hegene wird daher am Grund mit liegendem Schwimmer oder per Sinker angeboten. Im Frühjahr, bis Mitte Juni, wird in einer Tiefe von 5 - 15 m gefischt. Aber diese Tiefe kann natürlich von See zu See variieren, da sie zum Teil von der Wassertemperatur als auch von der Bodenbeschaffenheit abhängig ist.

 

Nr.3 Nr.8 Nr.74

Da die Larve meistens, bedingt durch den Blutfarbstoff Hämoglobin, blutrot gefärbt ist verwenden wir auch Nymphen in dieser Farbe. Sehr gut eignet sich für diese Imitation rotes Body Glass. Aber auch andere rote Nymphen aus Kreppnylon und Lureflash sind sehr gut geeignet. Diese Nymphen werden an den unterstem Zügel gebunden und imitieren Larven die aus dem Bodenschlamm herausgespült wurden. Am Ende des Larvenstadiums nimmt die Larve langsam die Gestalt der Puppe an. Sie wird dicker und unbeweglicher. Schließlich platzt die Larvenhaut und gibt die Puppe frei. Jetzt hat die vorletzte Phase im Leben der Zuckmücke begonnen.

 
Die Zuckmückenpuppe:
 
Die Zuckmückenpuppe zeigt sich in völlig veränderter Gestalt. Eine ausgeprägte Kopfpartie mit Büscheln als Atmungsorgane und ein deutlich segmentierter Hinterleib sind typische Charaktere einer Zuckmückenpuppe. Kurz vor dem Aufsteigen füllt sich der Raum zwischen Puppenhaut und dem Imago mit Gas und verleiht der Nymphe einen silbrigen Glanz. Wir lackieren daher unsere Nymphen, um diesen Glanz zu imitieren. Mit zuckenden Bewegungen steigen Zuckmückenlarven jetzt vom Grund des Sees zu Wasseroberfläche. Im Oberflächenfilm hängend beginnt die Puppe mit dem Schlupf. Durch langsamstes Auf und Ab bewegen unserer Hegene, imitieren wir diesen natürlichen Vorgang und reizen so die Renken zum Anbiss. Auch ein Renkenschwimmer erfüllt bei leichtem Wellengang diese Aufgabe. Da es in einem Gewässer bedingt durch die schon angesprochene Artenvielfalt der Zuckmücken, auch verschiedenfarbige Puppen gibt, sollte man sich die Nymphen im Magen einer Renke genau anschauen. Jetzt lohnt es sich wenn man verschiedenfarbige Hegenen im Boot hat um sich den gegebenen Bedingungen anzupassen.
 
   
Klar zu erkennen ist das Männchen an den Federbüscheln am Kopf.
 
 
Frisch aufgestiegene Zuckmückenpuppen aus dem Magen einer Renke. Typisch der ausgeprägte Kopf mit den Atmungsbüscheln und der segmentierte Hinterkörper.
 
HM Büschelnymphe
Diese Imitation täuscht nahezu perfekt eine aufsteigende Zuckmückenpuppe vor.
 
Nr.1 Nr.51 Nr.6
Bei schönem Wetter Fängt immer Dunkles Wetter

Die Farben der Puppen sind meistens dunkel und daher fangen auch Nymphen in dunklen Farben wie schwarz, dunkelgrün, blau und dunkelrot in der Regel sehr gut. Aber auch Glitzerfarben reizen Renken besonders an dunklen Tagen oder Abends zum Anbiss.

 

Die Zuckmücke - Imagines

Eine frisch aufgestiegene Zuckmücke beim Verlassen der Puppenhülle.
Nach dem Schlupf bildet sich mit den Zuckmücken - Imagines das fertige Insekt und beendet so einen meistens einjährigen Zyklus. Mit der Kopfkapsel voran kriechen die jetzt schon fast fertigen Insekten aus der Puppenhülle. Die Zuckmücken treiben jetzt an der Wasseroberfläche und beginnen nach einer kurzen Trocknungszeit zu schwärmen.
 

Ein letzter Blick zurück.

 

Mit der Bildung des Imagines, dem fertigen Insekt, ist die Metamorphose der Zuckmücken beendet.

Nach dem Paarungsflug und der Eiablage fallen die Imagines auf das Wasser und werden jetzt Beute von Oberflächenfischen wie Lauben. Aber ihre Eier sinken zum Seegrund und beginnen einen neuen Zyklus dieser wichtigen Fischnährtiere. Erfahrene Renkenangler suchen oft gezielt solche Stellen oder kennen die Tageszeit wenn die Nymphen am besten steigen. Mit diesem Wissen um die faszinierenden Vorgänge in der Natur macht Renkenangeln natürlich noch mehr Spaß und fördert gleichzeitig unsere Beobachtungsgabe am Fischwasser.

 

 

Der Seeflohkrebs

 - Gammarus Lacustris -

Flohkrebs aus dem Zeller/Irrsee - Größe: 5 - 20 mm

Jeder Fischer kennt sie und weiß um die Bedeutung der Flohkrebse. Da Flohkrebse in erster Linie mit Fließgewässern in Verbindung gebracht werden, ist ihre Bedeutung bei der Seenfischerei auf Renken eher als gering einzustufen. Dieser in Seen, wie der Name schon sagt, lebende Flohkrebs lebt in den ufernahen Zonen im dichten Gewirr der Wasserpflanzen und ernährt sich von abgestorbenen Pflanzen und Tieren. Die natürlichen Farben der Flohkrebse sind meist grau bis braun mit weißlicher, grüner und gelblicher Tönung. Der Seeflohkrebs ist eher weißlich - grau. Der Name Flohkrebs kommt übrigens daher, das dieser Gliederfüßer bei der Fortbewegung wie ein Floh über den Gewässergrund springt. Dieses Verhalten müssen wir natürlich bei der Hegenenangelei berücksichtigen. Wir werfen den Schwimmer mit richtig eingestellter Tiefe (ca. 5-10m) in Richtung Ufer und legen ihn flach. Mit kurzen Rucken geben wir dem Schwimmer und der jetzt durchhängenden Hegene die richtige Aktion und lassen unsere Imitate über den Pflanzen hüpfen. Ideal wäre natürlich ein leichter Wellenschlag. Da der Flohkrebs etwas lichtscheu ist und sich bei starker Sonneneinstrahlung zwischen Pflanzen oder unter Steinen und abgestorbenem Laub versteckt, sollte man mit Gammarus - Imitaten eher bei dunklem Wetter oder in der Dämmerung fischen. Hier ist wieder die Beobachtungsgabe eines Renkenanglers gefragt, um mit der richtigen Taktik und der richtigen Hegene die Renken anzusprechen.

 
Die Wasserassel
(Assellus aquaticus)
Foto: © Wolfgang Hauer
Die Wasserassel ist wie der Flohkrebs ein bodennaher Bewohner unserer Gewässer. Sie ernährt sich von zerfallenden Pflanzenresten bis in Tiefen um 20 m. Seen, Altarme aber auch Teiche zählen zu den bevorzugten Lebensräumen der Wasserasseln. Im Schnitt wird die Assel 12 mm lang und hat einen hartschaligen Körper. Wasserasseln werden sehr gerne von den größeren Renken genommen und stellen damit eine wichtige Nahrungsquelle dar. Die Farbe dieser, versteckt unter Steinen, Holz und Pflanzenresten lebenden Kleinlebewesen, pendelt von farblos bis dunkelbraun. Am Weissensee leben diese Tiere auf Armleuchteralgen und werden von den größeren Renken sehr gerne genommen. Da Wasserasseln nicht schwimmfähig sind, müssen sie von den Renken entweder von den Algen oder vom Grund aufgenommen werden.

Diese Abbildung zeigt ein paar Imitationen vom Neuenburger See aus der Schweiz

Als Haken für unsere Hegenen werden meistens Bachflohkrebsimitationen verwendet. Gefischt wird mit flachgelegtem Schwimmer, wie bei den schon beschrieben Flohkrebsen. Leichter Wellengang bringt die Flohkrebsimitationen in Grundnähe zum Hüpfen. Bei glatter Wasseroberfläche hilft auch ein ruckartiges Zupfen mit der Rutenspitze um die Maränen an die Hegene zu locken. An der Zupfhegene kann jetzt auch ein Flohkrebs als Nachläufer sehr gute Fangerfolge bringen. Allerdings sind Maränen wenn sie abends so richtig in Fresslaune sind und Wasserasseln nehmen, auch mit herkömmlichen Nymphen sehr gut zu fangen. Aber da ja Hegenenfischen oft genug zum experimentieren verleitet, kann ein Versuch mit Wasserasselimitationen nie schaden, und einen Joker, denn hat schließlich jeder Renkenangler gerne in seiner Hegenenschachtel.
Die Gemeine Eintagsfliege
(Ephemera vulgata)

Die Eintagsfliegen sind eine uralte Insektenordnung. In über 300 Mil. Jahren alten Ablagerungen aus der Steinkohlenzeit findet man Überreste von Eintagsfliegen, die den heute vorkommenden Arten recht ähnlich sind. Man erkennt sie an den drei Schwanzanhängen. Man verwechselt sie oft mit der Steinfliegenlarve, die nur zwei Schwanzanhänge hat. Leider findet man die Eintagsfliegenlarve nur in sauberen Gewässern. Sie atmet mit 12 Tracheenkiemenblättchen, die sich rechts und links der Bauchseite befinden. Man findet sie unter Steinen in sauberen Bächen. Sie hat 6 Beine, davon sind 2 nach hinten gebogen, die restlichen 4 sind nach vorne gedreht. Sie hat 4 Augen. Zwei Punktaugen und zwei Komplexaugen. Manche von ihnen haben an den Schwanzanhängen kleine Haare. Die Larve wird 3 bis 25 mm lang. Die beiden häufigsten Arten in Deutschland sind Ephemera danica und Ephemera vulgata. E. vulgata bewohnt vor allem langsam fließende größere Gewässer mit schlammigem Boden, während E. danica in den kälteren und schneller fließenden Wasserläufen der deutschen Mittelgebirge mit sandigem und kiesigem Untergrund anzutreffen ist. Der Name der Tiere deutet auf ihr Leben als Imago hin, das nur wenige Stunden oder Tage beträgt. Als Larven leben sie jedoch mehrere Jahre im Wasser.

Eintagsfliegenlarven (Ephemeroptera)
Die grabende Form
Oberseite
Dieses Exemplar stammt aus dem Magen einer Irrseemaräne und hatte eine Länge von 25 mm
Der Lebensraum der in Seen lebenden Larven beschränkt sich weitgehend auf die Uferregion bis in Tiefen von maximal 10 Meter. Ihre Nahrung besteht aus Tier und Pflanzenresten. Als Hauptmerkmal und um Verwechslungen mit Steinfliegenlarven auszuschließen, gelten die drei Schwanzborsten am Hinterleib.
 
Unterseite
An der Unterseite sieht man sehr gut die Segmentierung des Hinterleibs, die man sehr schön nachbinden kann. Präsentiert werden derartige Imitationen im Frühjahr oder zur Hauptschlupfzeit als Nachläufer an der Hegene. Die Larven bewegen sich wellenförmig am Gewässergrund fort. Diese Bewegung kann sehr gut mit einem langsamen auf und ab des Nachläufers imitiert werden. Dabei kann man den Nachläufer ruhig wieder auf den Gewässergrund absinken und erneut aus dem Schlamm aufsteigen lassen. Ein kleines Schlammwölkchen, verursacht durch unser Blei, erregt die Aufmerksamkeit der Fische, der Nachläufer steigt auf und die Renke steigt ein. Diese Bisse sind nicht zu übersehen, die Spitze reißt es regelrecht nach unten und die Renke geht ab wie die Feuerwehr. Der Größe der Larve entsprechend können Nymphenhaken bis zu einer Größe von # 0,10 verwendet werden. Eine große Rolle spielen diese Larven auch als Gewässerindikatoren. Sie stellen hohe Ansprüche an die Gewässerqualität und ein häufiges Vorkommen ist ein Zeichen, dass an diesem Gewässer die Welt, auch unter der Wasseroberfläche, noch in Ordnung ist.
 Aus dieser im Oberflächenfilm schwimmenden Larvenhaut schlüpfte eine noch nicht geschlechtsreife, aber flugfähige Subimago, die sich dann binnen einiger Minuten bis Stunden zum ausgewachsenen Insekt (Imago) nochmals häutet. Ein faszinierendes Schauspiel ist der Hochzeitsflug der Eintagsfliegen. Einige Meter über dem Schilf oder der Wasseroberfläche umschwärmen die Männchen der Eintagsfliegen im Steig und Sinkflug die Weibchen.
Subimago

Ein kleines Naturwunder ist diese frisch geschlüpfte Eintagsfliege, die erst bei genauem Betrachten ihre ganze Schönheit offenbart. Die Eintagesfliegen machen eine unvollkommene Verwandlung, ohne Puppenstadium, durch. In den Monaten Mai bis September steigen die Larven zum Schlüpfen zur Wasseroberfläche empor. In Ausnahmefällen, wie z.b. sehr warme Frühlingstemperaturen, kann dieser Vorgang auch schon im April stattfinden. Die frisch aufgestiegenen Eintagsfliegen unterscheiden sich aber noch von den erwachsenen Tieren durch ihre Flügelfärbung.

 
Imago
Die letzte Häutung der Larven findet an der Wasseroberfläche oder an Land und wie auf der Abbildung zu sehen ist, auf einem Holzbrett statt.
 
Eiablage
Nach erfolgter Paarung tauchen die Weibchen ihren Hinterleib in das Wasser und legen ihre Eier ab. Jetzt schließt sich der Kreislauf im Leben der Eintagsfliegen. Im Oberflächenfilm treibend werden die sterbenden Insekten Opfer von Seeforellen oder anderen an einem guten Happen interessierten Fischen. Ihre Nachkommenschaft aber entwickelt sich nach dem Absinken zum Seegrund wiederum zu Larven die nach einigen Jahren zielstrebig dem Licht entgegen nach oben streben um sich erneut zu paaren und fortzupflanzen. Jahr für Jahr wiederholt sich dieses faszinierende Schauspiel der Arterhaltung und erfreut uns Angler mit farbenprächtigen Insekten. Und wenn als Krönung eine Eintagsfliege einige Momente auf den Bootsplanken innehält, vergisst so mancher Angler auf das Fischen und staunt über dieses perfekte Geschöpf der Natur.
 
Kleinlibellenlarve der Gemeinen Binsenjungfer
Libellenlarven sind Räuber und ernähren sich von Mückenlarven, Flohkrebsen oder sonstigen kleinen Seebewohnern. Als Nahrung der Renken spielen Sie nur eine untergeordnete Rolle, da sich Ihr Lebensraum eher in der Unterwasservegetation von Bacheinläufen und Schilfzonen befindet. In Europa heimische Libellenlarven leben in der Regel ein bis zwei, spezielle Arten bis zu 5 Jahre im Wasser, bevor sie das Gewässer als Libelle verlassen. Eine ausgewachsene Libelle ist immer eine Augenweide und oft bewundern wir die Schönheit und die Farbenpracht der verschiedenen Arten. Wer kennt nicht den Augenblick, wenn sich eine Libelle elegant zur Rast auf unsere Renkenrute niederlässt und auf angenehme Art und Weise unsere Konzentration stört.
Fischbrut
Foto: © Martin Müller
Über 100 Stück Barschbrut im Magen einer Weissenseerenke.
Dieses Bild könnte man mit dem Spruch, du sollst dich nicht täuschen, versehen. Denn das friedliche Aussehen unserer Maränen, mit der spitzen Maulpartie, lässt eigentlich nicht auf ein Raubverhalten schließen. Das Maränen aber auch Fischbrut nicht verschmähen ist schon längst kein Geheimnis mehr. Bei dieser Menge an Brut aus dem Magen einer 60 er Maräne fragt man sich allerdings, ob man seine Fangmethoden nicht neu überdenken sollte. Man erinnert sich an vergangene Zeiten, als große Maränen anfangs als Beifang beim Saiblingschleppen und später ganz gezielt mit kleinen Blechblinkern gefangen wurden. Aber auch mit kleinen Fischchen als Köder wurden beachtliche Fangerfolge erzielt. Mir ist bis heute eine Maräne in Erinnerung geblieben, die fast die gesamte hintere Bootsbreite beanspruchte und eine Länge von 90 cm hatte. Ein unglaubliches Trumm mit einem Gewicht von 5,90 kg. Leider wurde dieser Fisch an einer Legschnur gefangen. Allerdings ist dieses Raubverhalten für Bewirtschafter von Gewässern nicht ganz unproblematisch. Speziell wenn Maränen als nicht heimische Fischart besetzt werden, kann die ursprüngliche Fischfauna nachhaltig geschädigt werden und einzelne Arten sogar verdrängt werden.
Dieser Maränenblinker der Marke Eigenbau stammt aus den 70 er Jahren und wurde aus den Alu Zierleisten eines Opel Record geschnitten. Die beiden Heckflossen brachten diesen kleinen Blinker schon beim leichtesten Zug zum rotieren. Mit einer Schlepprolle auf Tiefe gebracht wurde damit auf Seesaiblinge geschleppt. Man kann sich vorstellen, wie groß das Erstaunen war, als die ersten kapitalen Maränen damit gefangen wurden. Diese Fischart war damals den Anglern noch großteils unbekannt und waren nur Beifang bei der Schleppfischerei auf Seesaiblinge und Hecht. Aber auch in der heutigen Zeit ist es möglich, mit diesen Blinkern gute Fangergebnisse zu erzielen. Im Spätsommer und Herbst ziehen große Mengen an Fischbrut auf Nahrungssuche umher und werden dabei Beute von allerlei Raubfischen. Wenn man jetzt mit kleinen Schleppblinkern auf 6 bis 10 Meter schleppt, dann kann man durchaus eine Überraschung in Form einer kapitalen Maräne erleben. Einen Versuch ist dieses spezielle Maränenschleppen allemal wert.
  
Fischeier
Foto: © Martin Müller
Wenn man dieses Foto sieht, so könnte man meinen, Maränen sind richtige Allesfresser und daher auch Laichräuber. Es wäre allerdings mehr als sonderbar, wenn Maränen, als Fische, die im Frühjahr ihre Nahrung am Grund suchen, ausgerechnet nahrhafte Fischeier verschmähen würden. Der etwas anrüchige Name Laichräuber trifft auch nur bedingt zu, da sich Maränen nur zu bestimmten Jahreszeiten an Fischeier delektieren. Im Frühjahr, wenn Rotaugen und Rotfedern laichen, kommen Maränen auf der Suche nach Fischlaich, wenn es die Wassertemperatur erlaubt, bis in die Uferregionen um zu fressen. Jetzt kommt der Schwimmer zum Einsatz um die Maränen nicht durch den Schatten eines Bootes zu vergrämen. Flach eingestellt hält der Schwimmer die Hegene am Schilfgürtel. Man fischt jetzt in einer Tiefe von max. 10 Meter. Verwendet werden Glaskopfnymphen mit weißen und orangefarbenen Perlen. Diese Köpfe sind sehr auffällig und imitieren perfekt Fischeier. Bei der Farbe der Köpfe ist man natürlich für alle Möglichkeiten offen und, wie man es von den Nymphen kennt, nicht an jedem Tag gehen die Renken auf die gleichen Farben. Seeforelleneier sind übrigens, auch wenn die Forellen im See ablaichen, vor Maränen sicher, da sie nicht in der Lage sind, an die im Schotter vergrabenen Eier zu gelangen.