Die Sprungschicht in großen Seen

Einer der wichtigsten Faktoren die ein Schleppfischer beachten muss ist die thermische Schichtung unserer großen Seen. Da es sich bei dieser Schichtung um einen Temperatursprung handelt, wird diese Wasserschicht als Sprungschicht benannt. Die Sprungsschicht teilt die ganze Wassermasse in zwei Wasserschichten. Im Frühjahr wenn die Wassertemperatur mit 4° C das höchste spezifische Gewicht hat, beginnt durch den Wind die so genannte Frühjahreszirkulation. Dieser homogene Zustand des Wassers ermöglicht dem Wind die gesamte Wassermasse in Bewegung zu setzen und bis in große Tiefen mit Sauerstoff anzureichern.

Die Frühjahresvollzirkulation

Grafik: Winterhalbjahr

Die Frühjahresvollzirkulation ist für einen See äußerst wichtig, da dadurch der Sauerstoffgehalt eines Gewässers bestimmt wird. In den großen Seen ist der Sauerstoffgehalt durch die gute Durchmischung des Wasserkörpers auch in großen Tiefen noch in Ordnung. Am Attersee ist noch bis in Tiefen von 170 m genügend Sauerstoff vorhanden um Fischen ein Leben zu ermöglichen. Bei kleineren Gebirgsseen kann es aber durch eine windgeschützte Lage zu Sauerstoffmangel kommen. Ab einer gewissen Tiefe sind dann Fische weniger bis gar nicht vorhanden. Auch an stark eutrophierenden Seen mit einer schnellen Erwärmung kann es zu einem Sauerstoffdefizit ab einer Tiefe von 10 m kommen. Die Ursache dafür sind eine stark ausgeprägte Sprungschicht die den unteren Gewässerbereich wie ein Deckel abdeckt. Für den Schleppangler ist dieser thermische Zustand eines Sees eigentlich optimal, da sich die großen Räuber auf Grund des Sauerstoffmangels in der Tiefe eher in den oberen, für den Angler leichter erreichbaren Tiefen, aufhalten. Wer sich auf den Fang von Seeforellen spezialisiert hat, für den ist jetzt die hohe Zeit des Schleppenangelns gekommen. Durch die kalte Oberflächentemperatur kommen auch Seeforellen an die Oberfläche die sich bei wärmeren Wassertemperaturen wieder in die Tiefe verziehen. Die großen Forellen jagen jetzt Renken und Seesaiblinge die sich jetzt ebenfalls in höheren Wasserschichten aufhalten.

 
Die Sprungschicht im Sommer
A: Epilimnion
Die Epilimnionschicht ist die nahrungserzeugende Schicht (trophogen), hier entwickeln sich die Pflanzenwelt und die Tiere.
+ 22°C
B: Metalimnion
Die Metalimnionschicht ist die eigentliche Sprungschicht. Hier wird das warme Oberflächenwasser vom kalten Tiefenwasser getrennt. Durch Plankton stark getrübte Wasserschicht. Reflektiert durch die vielen Schwebkörper das Sonnenlicht und lässt nur sehr wenig Restlicht in die tiefere Wasserschicht.
+ 6°C - 18°C
C: Hypolimnion
Die Hypolimnionschicht ist in unseren Alpenseen in der Regel die größte Wassermasse. In dieser nahrungsarmen Tiefenschicht herrscht ständige Finsternis und eine gleichmäßige Wassertemperatur.
Grafik: Sommerhalbjahr + 4°C

Bedeutung der verschiedenen Wasserschichten für den Schleppangler:

1. Epilimnion

Diese Wasserschicht ist für den Schleppangler die interessanteste Region unserer Seen. In der warmen Jahreszeit gibt es hier durch das große Nahrungsangebot auch den größten Fischreichtum und infolge auch die meisten für den Schleppangler wichtigen Raubfische. In der Regel ist diese Schicht 10 m tief. Diese thermische Schichtung kann aber bedingt durch starken Wind, Sonneneinstrahlung und Tageszeit stark variieren und bis auf 30 m reichen. Der genaue Seenkenner kann dies anhand der Wasserfarbe abschätzen. Je blauer die Wasserfarbe desto tiefer die Sprungschicht. Man kann also an der Wasserfarbe ablesen in welcher Tiefe man schleppt. Als ideal hat sich eine eher dunkelgrüne Farbe herausgestellt. Jetzt schleppt man, je nach Köder, mit 40 - 160 gr. Schleppbleien. Die Oberflächenzone ist jetzt, unabhängig von der Wassertiefe ca. 10 tief und genau in diesem Bereich laufen unsere Schleppköder.

 

2 . Metalimnion

Diese Wasserschicht ist für den Schleppangler die Tiefenlinie im See, an denen er seine Schlepptiefen aufbaut. Je klarer der See desto tiefer liegt die Sprungschicht. Die Ursache dafür ist die Sonneneinstrahlung die in klareren Gewässern in größere Tiefen vordringen kann. Die Sprungschicht kann aber auch stark schwanken und bedingt durch starken Wind an einer Seeseite höher liegen als am gegenüberliegenden Ufer. Durch Umschichtung wird die Sprungschicht an der Uferseite in die der Wind bläst tiefer gedrückt, wobei sie an der anderen Seite in die Höhe steigt. Das kann auch eine starke Eintrübung zur Folge haben, wobei das Wasser eine grün milchig trübe Farbe bekommt. Die Sprungschicht ist also an Tagen mit starkem von einer Seite kommendem Wind, wie eine schiefe Ebene. Im Freiwasser steht der Hecht gerne in dieser Wasserschicht, da er durch die starke Trübung einen Unterstand hat und aus dieser Lage sehr gut in die über ihn vorbeiziehenden Fischschwärme hinein rauben kann. Dieses Verhalten eines Freiwasserhechtes ist eigentlich logisch, da er gerne aus dem Hinterhalt zuschlägt und er im Freiwasser, außer seinem für Tarnzwecke sehr gut geeignetem Schuppenkleid, über keinerlei Unterstand verfügt.

 

3 . Hypolimnion

In diesen Tiefen zu schleppen ist eigentlich Sache von Spezialisten. Wenn der Sauerstoffgehalt eines Gewässers in Ordnung ist,  sind diese untersten Wasserschichten die Heimat von Renken, Seesaiblingen und Seeforellen. In der kälteren Jahreszeit, wenn sich die Sprungschicht zum Großteil aufgelöst hat, sind Hechte in Ausnahmefällen in Tiefen bis zu 30 m anzutreffen. Besonders in Buchten wo sich im Herbst in der Tiefe viele Weißfische versammeln kann man mit der Tiefseerolle auch Hechte erbeuten. In der Regel wird in dieser Wasserschicht aber mit Blinker und Löffel auf Seesaiblinge und Seeforellen geschleppt.

 

Allgemeines:

Wie man in den vorangegangenen Artikeln sieht; hat die Sprungschicht bzw. die thermische Schichtung für unsere Seen und ihren Fischbeständen eine lebensnotwendige Bedeutung. Für uns Schleppangler bedeutet das Wissen um diese Schichtungen, gezielt auf im Freiwasser stehende Raubfische angeln zu können. Die guten Beobachter unter den Schleppanglern sind dadurch auch immer erfolgreicher als andere Angler.