Schweden 2005

 
 
In Schweden, auf großen unberührten Seen auf Hechte schleppen. Dieser von mir schon lang gehegter Wunsch, sollte dieses Jahr endlich in Erfüllung gehen. Eigentlich ist diese Reise als Testreise gedacht, da wir die Fängigkeit unserer Perlmutt - Blinker an den Schwedenhechten testen wollen. Nach eingehender Planung startete Ende August ein kleines Team von 6 begeisterten Hechtanglern mit zwei Autos, natürlich vollbepackt bis zum Dach, in Richtung Schweden.
 
 
Die erste Etappe unserer Reise führte uns nach Rostock.  Nach dem Einchecken setzten wir uns noch ins Restaurant um gemütlich Abend zu essen. In der Nacht ging es dann mit der Fähre über die Ostsee nach Trelleborg.
 
 
Endlich in Schweden. Entlang des Vätternsee führt uns unsere Reise. Dieses riesige Gewässer und die Naturschönheiten dieses Landes ziehen uns sofort in ihren Bann. Als Fischer sind wir natürlich in erster Linie von den zahllosen Seen begeistert und sehen uns in Gedanken schon die ersten Hechte drillen. Auch die Weite dieses skandinavischen Landes ist beeindruckend . Um sich ein Bild dieser Weite zu machen, muss man sich nur vorstellen, dass Schweden bei gleicher Einwohnerzahl 10 mal so groß wie Österreich ist. Da bleibt natürlich viel Platz für die Fischerei.
 
 
Am Reiseziel angekommen staunten wir nicht schlecht. Eine massive Holzhütte, inmitten einer großzügig angelegten Feriensiedlung,  sollte für die nächsten 14 Tage unser Domizil sein.
 
 
Diese Unterkunft ließ keine Wünsche offen. Ein paar Details dieser luxuriösen Fischerherberge sind, Einzelzimmer, Wäschetrockner, offener Kamin und eine optimal eingerichtete Küche. Zwei Bäder sorgten dafür, dass es am Morgen keinen Stau vor verschlossenen Türen gab. Die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Angelurlaub waren also gegeben und da wir es gar nicht erwarten konnten, gingen wir noch am selben Abend, trotz strömenden Regens, zum Hechtfischen. In der einsetzenden Dämmerung schleppten wir entlang einer Kante, als es die Rute nach hinten riss. Der Jake Firetiger hatte zugeschlagen und wir konnten unseren ersten Schwedenhecht von 84 cm landen. Jetzt waren unsere Erwartungen natürlich noch mehr gestiegen und wir waren gespannt, was uns dieser Urlaub an Hechten bringen würde.
 
Insel im Langvattnet
Am nächsten Tag hatte sich der strömende Regen verflüchtigt und die Sonne strahlte mit uns um die Wette. Nach einem ausgiebigen Frühstück stiegen wir in unsere Boote um den Langvattnet zu erkunden. Wunderschön strukturiert, mit vielen Untiefen und kleinen Inseln, hatte dieser See alle Voraussetzungen für einen guten Hechtbestand. Durch den eher schlauchartigen engen Verlauf dieses Sees, verzichteten wir aber anfangs auf den Einsatz unserer Sideplaner.
 
Auch Schwedenhechte mögen Perlmutt
Schleppen mit einer Rute und Spinnfischen waren unsere Methoden, um den uns unbekannten See zu erkunden. Dabei waren 12 cm lange gekupferte Perlmuttspangen die Topköder beim Spinnfischen.
 
Hecht mit HM Spange gekupfert
Nach dem ersten Tag, von ein paar kleineren Hechten abgesehen, mussten wir erkennen, das auch in Schweden die großen Hechte nicht Flosse an Flosse stehen. Nach eingehendem Studium des Gewässers und der Verhältnisse vor Ort, erkannten wir das unser See auch für die anderen Bewohner der Anlage als erste Wahl galt. Da dieses Camp eigentlich sehr gut besucht war, es handelt sich um ein Sommercamp der schwedischen Gewerkschaft, kam uns der See reichlich überfischt vor.
 
103 cm und 7 kg
Trotz dieser anfänglichen Probleme konnten aber schon am zweiten Tag von unserer Gruppe 2 Meterhechte gefangen werden. Eine Grandma Renke wurde dem ersten schwedischen Meterhecht zum Verhängnis und ein kleiner Barschwobbler lockte einen Esox von 1,16 m aus der Reserve. Der große Hecht war allerdings schon aus einem anderen Gewässer. Nach einer Besprechung am Abend einigten wir uns, es am nächsten Tag noch einmal am Langvattnet zu versuchen und bei geringem Fangerfolg das Boot an den anschließenden St. Kloten zu verlegen. Es kam wie es kommen musste. Der Langvattnet verweigerte auch am 3 Tag seine Hechte und wir stellten noch zur Mittagszeit unser Boot an den St. Kloten.
 
St. Kloten
Der St. Kloten hatte endlich die Ausmaße die wir für unsere Art zu fischen brauchten. Reichlich strukturiert mit vielen Buchten, Inseln und einem großen Seebecken mit Tiefen bis zu 28 m. Sehr hilfreich bei diesen Erkundungsfahrten ist natürlich der Einsatz eines Echolots um die vielen Untiefen zu orten. Das dunkle eisenhältige Wasser ließ diese Untiefen nur erahnen und wir schrammten mehr als einmal über den Grund. Eine kaputte Motorschraube kann einem den Urlaub schnell verderben und daher unser Rat, auf keinen Fall das Echolot zu Hause lassen.
 
Barschschwarm im St. Kloten
Dieser See hatte auch einen ordentlichen Bestand an Futterfischen aufzuweisen. Diese Fische, es handelt sich vorwiegend um Barsche und einer kleinen Weißfischart, bewegten sich in einer Tiefe von 10 - 20 m.
 
Schleppen am St. Kloten
Nach einer kurzen Taktikbesprechung einigten wir uns auf das Schleppen mit Sideplaner und aufgestellter Rute. Die Sideplaner ließen wir mit 6 m relativ flach laufen und mit der Rute fischten wir auf 10 m Tiefe. Zum Einsatz kamen ein Shadsystem mit Barsch und gekupferte Perlmuttspangen. Bei diesen traumhaften Bedingungen sollte der Fangerfolg nicht lange auf sich warten lassen.
 
St. Kloten Hecht von 5 kg bei 88 cm Länge auf Shadsystem und Schleppkette
Nachdem wir unsere Ruten ausgelegt hatten, begannen wir im großen Seebecken unsere Kreise zu ziehen. Die Taktik war, langsam zum Ufer und schnell aus der Kurve fahrend, einen flüchtenden Futterfisch zu imitieren. Und wie es so oft beim Schleppen passiert, man hängt in Gedanken, betrachtet die Landschaft und dann kommt unverhofft der Biss. Die Rute riss es mit einem gewaltigem Ruck gegen die Fahrtrichtung und der erste Klotenhecht hing am Haken. Schwedische Hechte wissen zu kämpfen und es dauerte eine Weile bis wir den Hecht am Boot und mit dem Boga Grip landen konnten.
 
Hechte lieben Perlmutt
Endlich war der Knoten geplatzt und unsere Laune verbesserte sich sprungartig. Am Abend kamen Barsche und kleine heringsähnliche Fische an die Wasseroberfläche und es bildete sich Ring an Ring. Jetzt kam die Stunde der flachlaufenden Perlmuttspangen an den Sideplanern und wir konnten in der letzten Stunde vor der Dämmerung noch zwei Hechte auf die Schuppen legen.
 
100 cm Hechtpower auf  einen Perlmuttlöffel
Auch in den nächsten Tagen hatten wir richtiges Kaiserwetter und wir fingen Hecht auf Hecht. Schweden zeigte sich von seiner besten Seite und wir freuten uns über einen gelungenen Angelurlaub. Bei einem der üblichen Gespräche über unsere Fänge einigten wir uns, es einmal mit vier Sideplaner zu versuchen. Der Umstand, dass wir die meisten Bisse auf die seitlich vom Boot laufenden Planerboards hatten, war die Ursache unserer Taktikänderung.
 
Trolling Szene am St. Kloten
Das Schleppen mit 4 Scherbrettern erfordert einiges an Teamwork und natürlich einen geeigneten Bootspartner, der sehr gut im Umgang mit Sideplaner und Boga Grip ist. Mit Alfred Nagy ( Alfi ) hatte ich einen perfekten Bootspartner der alles im Griff hatte. Die Tatsache, dass wir sämtliche gehakte Hechte auch landen konnten, sagt wohl alles. Zusätzlich muss im Boot das Angelgerät gut organisiert sein, um bei einem Biss keine Probleme zu bekommen. Und die Bisse kamen. Es war erstaunlich wie brutal die Hechte, die an den Planerboards laufenden Köder, attackierten. Die Bretter flogen regelrecht durch die Luft und wir hatten fast keine Fehlbisse. Endlich hatten wir auch die Möglichkeit verschiedene Köder zu testen.
 
Der Bull Dawg fängt und fängt und.........
Jetzt kamen unsere Bull Dawgs zum Einsatz. Montiert mit Schleppkette und einem 120 gr. Blei ließen wir diese langschwänzigen Gummiköder in die Tiefe.
 
It´s Bull Dawg Time
Endlich geschafft, der erste Bull Dawg Hecht hängt am Boga Grip. Es war unglaublich wie gut dieser Köder fing. Die Hechte warfen sich regelrecht auf diesen Köder und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Farbe der Gummis war den Hechten eigentlich egal und so machten alle Bull Dawgs Bekanntschaft mit den schwedischen Hechtzähnen.
 
Trolling King -  Die Krönung eines denkwürdigen Anglertages
Aber auch unsere flach geschleppten Trolling Kings fingen ihre Hechte. Besonders die Kupfer bzw. Messinginnenseite leuchtete und blinkte im dunklen Schwedenwasser sehr verlockend. Mit unseren Ködertests zufrieden, beendeten wir diesen erfolgreichen Fischertag und fuhren, schon im Dunkeln, in unseren Naturhafen zurück. Bei der abendlichen Besprechung in unserer Hütte studierten wir eingehend die Gewässerkarte unserer Region, denn nach 4 Tagen am St. Kloten waren wir der Meinung, andere Gewässer gehörten eigentlich auch befischt. Der nächste größere See war der Malingsbosjön und genau den wollten wir in den nächsten Tagen erkunden.
 
Die Weite des Malingsbosjön
Der erste Blick über diesen See bestätigte uns in unserem Vorhaben, mehrere Seen der Umgebung abzufischen. Nur Schleppfischer kennen dieses Gefühl, wenn man am Ufer eines, für uns noch unbekannten Gewässers, steht und den Anblick förmlich in sich hineinsaugt. In Gedanken sahen wir schon unsere Brettchen über den See flitzen und wir beeilten uns das Boot ins Wasser zu bringen. Jetzt galt es natürlich eine neue Strategie zu entwickeln. Wir hatten ja keine Ahnung welche Tiefe dieser See vorweist. Also fuhren wir einfach einmal mitten auf den See raus und schalteten das Echolot ein. Aber welch herbe Enttäuschung. Magere 2,5 m zeigte die Tiefenangabe und das mitten am See ! Wir konnten es gar nicht glauben und fingen an, tiefere Stellen zu suchen. Aber es war unglaublich, dieser See hatte derart riesige Flachzonen, das es zum Verzweifeln war. Endlich, etwas näher am Ufer, wurde es schön langsam tiefer. Jetzt ließen wir unsere Sideplaner raus und schleppten vorsichtig am Ufer entlang. Der erste Biss kam, da war das zweite Brett noch nicht im Einsatz. Ein kurzer harter Drill und der Hecht lag im Boot. Wir schauten uns an und dachten, das geht aber flott. Schnell legten wir die Bretter wieder aus und das Szenarium wiederholte sich. In 10 Minuten zwei Hechte, das gibt es auch nicht alle Tage. Leider wurde es jetzt wieder sehr flach und wir opferten einen Teil unserer Ausrüstung dem See. Der See nimmt und der See gibt. Dieser Spruch meines Mitanglers bewahrheitete sich besonders am Malingsbosjön des öfteren. Doch Aufgeben tut man einen Brief und mit der Einsicht, das schwierige Gewässer mit Sicherheit kapitale Hechte beherbergen, fuhren wir am Abend wieder zurück in unsere Hütte.
 
Naturparadies Malingsbosjön
Am nächsten Morgen präsentierte sich unser See, wie wir ihn schon bald nannten, von seiner schönsten Seite. Glattes Wasser und  Kanadagänse die in der Ferne über die Wälder streichen, diese Tage sind es, die unser Hobby so schön machen. Und natürlich die explosiven schwedischen Hechte. Unsere Suche hatte endlich Erfolg. Wir fanden drei Abschnitte im See mit einer Tiefe und Größe die ein optimales Schleppfischen mit vier Brettern zuließen.
 
Abtauchender Schwedenhecht und Shadsystem
Und die Hechte ließen sich nicht lange bitten, denn genau in diesen Löchern hatten sie sich versammelt. Jetzt kam Biss auf Biss und wir fingen oft bei jeder Runde einen Hecht. Spektakuläre Drills waren die Folge und mehr als einmal sprang ein Hecht in voller Länge aus dem Wasser und schüttelte seinen Schädel um den Köder loszuwerden.
 
Schweden - Ein Eldorado für Schleppangler
Wir fingen traumhafte Fische mit einer Färbung, die nur Hechte in diesen dunklen eisenhältigen Gewässern vorweisen.
 
9,60 kg auf Perlmutt -  Kupfer
Dunkel gefärbt und mit schwarzen Augen, eigentlich müssten wir die schwedischen Hechte als Piraten des Nordens bezeichnen. Mit jedem Tag den wir an diesem Gewässer verbrachten, wuchs natürlich auch unsere Erfahrung und wir setzten jetzt unsere Köder gezielter ein. Untertags fischten wir mit naturfarbenen Grandmas ( Renke und Barsch), Bull Dawgs, Trolling Kings, Shadsysteme mit Barsch und Perlmutt ohne Kupfer.
 
Traumhafte Abendstimmung am Malingsbosjön
 2 Stunden vor Sonnenuntergang montierten wir eher auffällige Köder wie eine Firetiger Grandma und Perlmuttblinker mit Kupferinnenseite. Besonders der gekupferte Perlmutt bescherte uns in der Dämmerung wahre Sternstunden. Flach geschleppt zog er zwischen den zahllosen Ringen der aufsteigenden Fische seine Spur und lockte die Hechte aus der Reserve. In Schweden in den Abendstunden bei ausgelegten Ruten in den Sonnenuntergang hineinschleppen, diese Momente sind ein Naturerlebnis der besonderen Art.  
 
Halbinsel am Malingsbosjön
Auch die fängigen Stellen zu finden war nach ein paar Tagen kein Problem mehr. Überall an den Kanten lauerten sie auf unsere Köder, um sich überfallsartig darauf zu stürzen. An gewissen Stellen konnten wir sie sogar auf Ansage fangen. Es war einfach ein Traum. Besonders an vorgelagerten Inseln, am Übergang vom flachen ins tiefe Wasser, standen die Hechte dicht an dicht. Catch and Release war jetzt angesagt, denn auch der eigentlich sehr gute Hechtbestand bedarf einer gewissen Selbstbeschränkung. In Umwandlung des Spruches, der Fischer nimmt und der Fischer gibt, behielten wir nur noch die guten Hechte und auch da drückten wir des öfteren ein Auge zu und die Klammer unseres Boga Grip auf und gaben dem Hecht seine Freiheit wieder zurück.
 
Flyfishers Dream
Natürlich kann man den schwedischen Hechten auch mit der Fliegenrute auf die Schuppen rücken. Am Malingsbosjön hat man dazu jede Menge Möglichkeiten.
 
Viele kleine windstille Buchten laden zum Fliegenfischen ein und jede Menge, vom Sturm gefällte oder von Bibern umgenagte Bäume, liegen in der Uferzone im Wasser.  Die Hechte haben hier optimale Einstände und es entgeht ihnen kein vorbeiziehender Futterfisch.
 
Schwedische Träume
Mit flach gestrippten Streamern kommt man hier zum Erfolg. Und wenn sich wieder einmal ein riesiges Maul öffnet, um sich unseren Streamer einzuverleiben, dann waren wir uns sicher, Schweden ist die Topadresse für Hechtangler in Europa und wir kommen mit Sicherheit wieder.
Diese Anglerreise war übrigens von unserem Anglerfreund Wimmer Manfred optimal organisiert und ließ keine Wünsche offen. Nicht unerwähnt lassen möchte ich unsere mitreisenden Anglerkollegen, die auch in 13 Tagen keinen Hüttenkoller oder Langeweile aufkommen ließen, und so sollte es auch sein, der Spaß an der Fischerei stand immer im Vordergrund.
 
Mikstetter Rudolf
 
Petri Heil